Geblieben sind in Peenemünde die Ruinen 

der militärischen Vergangenheit, die von der Natur zurückerobert werden. Die 25 km² große Gemarkung Peenemünde birgt eine Vielzahl von Boden- und Baudenkmalen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Den Schwerpunkt bilden die Ruinen der Peenemünder Versuchsanstalten, die heute als eines der größten Flächendenkmale in der Bundesrepublik Deutschland angesehen werden können. Große Teile des Areals gelten jedoch heute noch als munitionsbelastet und sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Die „Denkmal-Landschaft“ ist ein Rundweg 

von 25 km Länge mit derzeit 20 Stationen. Unter Aussparung sensibler Bereiche werden Besucher zu den historisch interessantesten Punkten geführt. An jeder Station befindet sich ein Schild mit weiteren Informationen. Ausgehend vom Historisch-Technischen Museum Peenemünde ermöglicht der individuelle Rundgang dem Besucher aber auch, den ökologischen und symbolischen Wert dieser Landschaft zu erfahren, denn sie lädt dazu ein, über das Verhältnis von Mensch, Natur und Technik nachzudenken.

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Station 1 - Die Bunkerwarte

Die erste Station der Denkmal-Landschaft Peenemünde ist die Bunkerwarte des Peenemünder Kraftwerkes, die seit dem Jahr 2004 auch als Eingangsbereich des Historisch-Technischen Museums genutzt wird. Das Gebäude wurde zusammen mit dem Kraftwerk errichtet. Mit den bis zu 2 Meter starken Wänden und Decken aus Stahlbeton diente der Hochbunker dem Kraftwerkspersonal während des Krieges als Luftschutzeinrichtung, beherbergte aber auch die Schaltwarte des Kraftwerkes. Von hier aus wurden fast alle Abläufe des Kraftwerkes ferngesteuert. In den 50er Jahren verlor die Bunkerwarte jedoch ihre Bedeutung, da die Schaltwarte in das Kraftwerksgebäude verlagert wurde.

Ende 1939 wurde mit Planung und Bau des Kraftwerks am Peenemünder Hafen durch die Kraftwerksbauabteilung der Siemens-Schuckert AG begonnen; bis 1943 wurde es sukzessive in Dienst genommen. Das mit schlesischer Steinkohle betriebene Kraftwerk war auf eine Leistung von 33 Megawatt Leistung ausgelegt, diese sollte durch einen zweiten, symmetrisch hinzugefügten Block verdoppelt werden. Dieser zweite Block wurde jedoch nie gebaut. In seiner Bauweise und Gestaltung – mit den kubischen Formen und dem dunklen Klinker der Fassaden – steht das Kraftwerk in der Nachfolge der großen Kraftwerksbauten seit den 1920er-Jahren, etwa den Bauten Werner Issels. Diese letztlich dem „Neuen Bauen“ zuzuordnende mit Monumentalität gepaarte Sachlichkeit prägte insgesamt das Erscheinungsbild der militärisch-industriellen Bauwerke in Peenemünde.

Der Standort des Kraftwerks direkt am Peenestrom war gezielt gewählt; durch den vorangegangenen Bau der Hafenanlage war nach der Baustoffanlieferung insbesondere die effiziente Kohlezufuhr über eine Förderbahn direkt von den im Hafen anlegenden Schiffen gewährleistet. Daneben machte noch ein weiterer Aspekt diesen Standort besonders attraktiv, da das Kühlwasser direkt aus dem Peenestrom entnommen und das erwärmte Wasser aus dem Kraftwerk anschließend zum Hafenrand wieder zurück geleitet werden konnte. Auf diese Weise wurde die Hafeneinfahrt im Winter eisfrei gehalten. Die Anlage war zur Erbauungszeit eines der modernsten Kohlekraftwerke in Deutschland. An Bau und Ausstattung waren viele, mitunter heute noch namhafte Firmen beteiligt.

Architektonisch stellt sich das ehemalige Kraftwerk heute als ein Bau in einem guten, sanierten Zustand dar, der trotz eines Erweiterungsbaus aus DDR-Zeiten die typischen Charaktermerkmale der NS-Architektur sehr gut veranschaulicht. Neben ihrer Modernität in Form und Funktion sowie der zentralen Bedeutung, die der Anlage für die Energieversorgung der Peenemünder Einrichtungen zukam, wird ihre besondere Rolle durch die Tatsache unterstrichen, dass das Kraftwerk, die zugehörigen Förderanlagen und die Bunkerwarte sowie auch die Hafenanlagen als Gesamtkomplex praktisch vollständig erhalten geblieben sind.

Vom Mai 1991 bis zum Dezember 2000 war in der Bunkerwarte die Ausstellung des Historisch-Technischen Informationszentrums Peenemünde untergebracht. Heute befindet sich hier der Kassenbereich des Museums und der Museums-Shop.

Station 2 - Die Kapelle

Der ursprüngliche achteckige Zentralbau der Peenemünder Friedhofskapelle stammt aus dem Jahr 1876 und wurde nach Plänen von Friedrich Kräger errichtet. Sie gehört zu den wenigen erhaltenen Gebäuden des ursprünglichen Fischer- und Bauerndorfes Peenemünde, das im Zusammenhang mit der Errichtung der Peenemünder Versuchsanstalten Ende der 1930er Jahre weitestgehend abgerissen wurden.

Nach dem Verfall des Gebäudes zu DDR-Zeiten betrieb die evangelische Kirchgemeinde in eigener Regie 1993 den Wiederaufbau der Kapelle. Es handelt sich somit heute um einen fast vollständigen Neubau auf dem Fundament des Ursprungsbaus. Damit hat das Gebäude zwar seinen „Denkmalwert“ im Sinne der Denkmalpflege verloren, hat aber einen wichtigen, neuen Wert als Gedenkort gewonnen.

Die Bedeutung dieses Ortes definiert sich insbesondere über das Mitte der 1960ger Jahre an der Südseite des Friedhofes entdeckte Massengrab. Bei den Toten handelt es sich um Häftlinge aus dem KZ-Arbeitslager Karlshagen I, die hier von Dezember 1944 bis März 1945 begraben wurden. Ehemalige Häftlinge der Heeresversuchsanstalt und Anwohner des Ortes gaben die ausschlaggebenden Hinweise auf die verschiedenen Gräber entlang der alten Friedhofsmauer. Die feierliche Umbettung der Toten nach Karlshagen auf das Areal des heutigen Ehrenmals erfolgte am 30. Mai 1968.

Station 3 - Das Sauerstoffwerk

Das Peenemünder Sauerstoffwerk stellt heute neben dem Kraftwerk den einzigen Großbau der ehemaligen Heeresversuchsanstalt dar, der fast komplett erhalten geblieben ist. Der Ende 1938 beschlossene weitere Ausbau der Heeresversuchsanstalt schloss auch die Serienfertigung von Raketen mit ein. Dies machte jedoch die Produktion von flüssigem Sauerstoff – der zweiten Treibstoffkomponente der Rakete A4 („V2“) neben mit Wasser verdünntem Alkohol – in industriellem Maßstab vor Ort notwendig. Von beiden Komponenten wurden für einen Raketenstart jeweils ungefähr 4 t benötigt. Die bisher vorhandene Sauerstoffanlage im Entwicklungswerk reichte für die nun benötigten Sauerstoffmengen nicht mehr aus.

Ab Juli 1942 wurde daher auf dem Gelände des dafür zerstörten Dorfes Peenemünde ein zweites Sauerstoffwerk errichtet. Täglich wurde hier rund um die Uhr in drei Schichten 13.000 kg flüssiger Sauerstoff gewonnen. In einem komplizierten physikalischen Verfahren (Linde-Verfahren) wurde Luft in ihre Bestandteile zerlegt und der Sauerstoff auf -183 °C abgekühlt und dabei verflüssigt. Diesen flüssigen Sauerstoff transportierte man in isolierten Kesselwagen zu den Prüfständen. Der Energiebedarf des Sauerstoffwerkes war sehr hoch. Von den 30 MW Ausgangsleistung, die das Kraftwerk produzierte, verbrauchte das Sauerstoffwerk allein 22 MW. Trotz Beschädigungen bei den Bombenangriffen der Alliierten im Jahre 1944 konnte die Sauerstoffproduktion ohne große Einschränkungen fortgesetzt werden.

Das Sauerstoffwerk ist ein Zeugnis der spezifischen Architektur, die der zweiten Ausbauphase der Heeresversuchsanstalt ab 1939 zuzuordnen ist. Das Gebäude misst 73,10 Meter entlang der Strasse, 42,60 Meter in der Tiefe und ist mit 20,80 Metern nur knapp 15 Meter niedriger als das Kesselhaus des relativ nahe gelegenen Kraftwerkbaus. Das Gebäude ist – wie das Kraftwerk – ein mit dunkelroten Ziegelsteinen verklinkerter Bau, der in Eisenbeton-Skelettbauweise errichtet wurde. Diese Materialien und architektonischen Elemente prägen in Peenemünde nicht nur die Großbauten, sondern auch praktisch alle Gebäude mit unterschiedlichsten technischen Funktionen. Der Anspruch, dass sich die Einzelbauten gestalterisch zu einer übergeordneten Gesamtheit zusammenfügen sollten, lässt sich an den Entwurfszeichnungen der Baugruppe Schlempp, und bis heute auch an den baulichen Überresten der Heeresversuchsanstalt, ablesen. Das Sauerstoffwerk gehört – mit dem Gesamtkomplex Kraftwerk und Hafenanlage – zu den zentralen Bauwerken Peenemündes, sowohl in technisch-funktionaler wie in gestalterischer Hinsicht.

Nach dem Krieg wurden auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration die technischen Anlagen demontiert und zum Teil in Bützow (Landkreis Güstrow) bei der Errichtung eines neuen Sauerstoffwerkes weiter verwendet. Das Gebäude in Peenemünde war durch Demontage und Sprengversuche stark beschädigt. Während der Bauarbeiten für die Marinedienststelle im Haupthafen Peenemünde befanden sich ab 1951 in dem ehemaligen Sauerstoffwerk Lagerräume und das Büro der Baufirma. Seitdem steht das denkmalgeschützte Gebäude als Ruine in Peenemünde.

Derzeit werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um auch dieses Gebäude zu sichern und zukünftig für Besucher zu erschließen. Das Projekt ist dabei in drei Phasen unterteilt. In einem ersten Schritt soll neben der Bestandserfassung das gesamte Areal von Bewuchs und Unrat befreit werden. Im Anschluss ist geplant, das Gebäude durch eine Lichtinstallation besser in Szene zu setzen. In der letzten Phase sollen dann für Besucher durch die Installation von Außentreppen und weiteren Zugängen verschiedene Einblicke ermöglicht werden.

Station 4 - Der Flugplatz Peenemünde

Die Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde West entstand parallel zur Heeresversuchsanstalt und beschäftigte sich ebenfalls mit der Erprobung von Waffensystemen z.T. auch mit Raketenantrieb. Der Flugplatz Peenemünde war Bestandteil der Erprobungsstelle der Luftwaffe und gehörte mit seinem großen Rollfeld während des Zweiten Weltkrieges zu den größten Flugplätzen Deutschlands.

In den Jahren von 1938 bis 1945 wurden hier die verschiedensten Fernlenkwaffen, Flugzeuge mit Raketenantrieb und Starthilfsraketen getestet. Zu den bekanntesten erprobten Flugkörpern zählen die Fi103 („V1“), die He176 und die Me163.

Der Flugplatz wurde auf der so genannten Kaasewiese angelegt, die nur wenig über dem Meeresspiegel lag und bei Hochwasser immer wieder überflutet wurde. Deshalb errichtete man einen Deich entlang der Küste und spülte dahinter das Gelände abschnittsweise mit Sand aus dem Greifswalder Bodden auf. Auf dieser teilweise bis auf 2 m angehobenen Fläche wurde das Rollfeld angelegt.

Vom Flugplatz aus gelang im Februar 1945 dem sowjetischen KZ-Häftling Michael Dewjatajew und neun weiteren Häftlingen des nahegelegenen KZ-Arbeitslager Karlshagen I mit einem deutschen Flugzeug die spektakuläre Flucht über die Frontlinie in die Sowjetunion.

Nach dem Krieg wurden die Anlagen der Erprobungsstelle in Erfüllung des Potsdamer Abkommens demontiert oder zerstört. Sowjetische Fliegerkräfte nutzten den Flugplatz unter fast feldmäßigen Bedingungen bis 1958. In diesem Jahr übergab man das Areal der Nationalen Volksarmee, die ab 1961 hier das Jagdfliegergeschwader 9 stationierte. Die Aufgabe des Geschwaders bestand darin, den Luftraum von der polnischen Grenze bis westlich von Rügen zu überwachen. Zu diesem Zweck wurde die in nordwestlicher Richtung orientierte Start- und Landebahn auf insgesamt 2400 Meter verlängert, um die Nutzung moderner Flugzeuge zu ermöglichen. Am 03. Oktober 1990 übernahm die Bundesluftwaffe das JG 9, welches daraufhin schrittweise aufgelöst wurde.

Mit Landung einer Cessna 207 am 23. Juli 1993 begann auf dem Peenemünder Flugplatz der zivile Flugbetrieb.

Station 5 - Das KZ-Arbeitslager Karlshagen I

Zum Ausgleich für den ständig steigenden Arbeitskräftemangel wurden in den Peenemünder Versuchsanstalten ab Frühjahr 1943 auch KZ-Häftlinge eingesetzt. Das KZ-Arbeitslager Karlshagen I existierte von Mai 1943 bis Anfang April 1945 in unmittelbarer Nähe des Gemeinschaftslagers Ost. Für diesen Zweck wurden bereits bestehende Barackenbauten genutzt, die ursprünglich für Wehrmachtsangehörige errichtet wurden. Das Lager bestand aus fünf Häftlingsbaracken, die von einem Stacheldrahtzaun umgeben waren. Mehrere kleine Bunker für die Wachmänner und Wachtürme sicherten das Gelände. Zum Lager gehörten auch ein Appellplatz, ein Waschhaus und die Küche. Etwas abseits befand sich ein flaches Vorratsgebäude.

In diesem Lager, welches der Verwaltung des KZ Ravensbrück unterstand, waren 1500 männliche Häftlinge unterschiedlicher Nationalität untergebracht. Die Häftlinge wurden vorrangig im Bereich der Luftwaffenerprobungsstelle eingesetzt. So mussten sie z.B. auf dem Flugplatzgelände Erdarbeiten ausführen, Flugzeuge betanken und nach Luftangriffen die Blindgänger zum Entschärfen freilegen. Bei der Erprobung der Flugbombe Fi 103 („V1“) mussten die Häftlinge die 150 kg schweren Schussbolzen der Startrampe (Walter-Schleuder) aus dem sumpfigen Schilfgürtel bergen. Durch die schwere körperliche Arbeit, die völlig unzureichende Ernährung und die oftmals unmenschliche Behandlung kamen viele Häftlinge ums Leben. Namentlich belegt ist der Tod von 248 Häftlingen in der Zeit von Mai 1943 bis März 1945.

Im Februar 1945 gelang dem KZ-Häftling Michael Dewjatajew und neun weiteren Häftlingen von dem nahegelegenen Flugplatz eine spektakuläre Flucht mit einem deutschen Flugzeug über die Frontlinie in die Sowjetunion. Die Auflösung des KZ Arbeitslagers Karlshagen I hatte bereits Ende Januar 1945 begonnen. Anfang April 1945 wurden die letzten ca. 200 Häftlinge in das KZ “Dora” transportiert.

Das Lagergelände wurde im Rahmen des Internationalen Sommercamps 2006 wieder begehbar gemacht. Dabei wurden u.a. Fundamentreste einer Baracke und ein Bunker wieder sichtbar gemacht. Das Fundament für die Baracken bildete kein Beton, sondern Holzpfähle. In eine Grube mit den Abmessungen der Baracke wurden Pfähle gerammt, auf denen Bohlen und Bretter befestigt wurden, die den Boden der Baracke bildeten. Die Baracke wurde dann darüber errichtet. Die Reste der Pfähle sind heute noch in der Grube zu erkennen. An diesem Ort werden auch künftig weitere denkmalpflegerische Maßnahmen durchgeführt.

Station 6 - Der Bahnsteig am Haltepunkt Werk Ost

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Zu den ersten Bauprojekten der Peenemünder Versuchsanstalten gehörte die Errichtung einer Werkbahn, die am 28. Juli 1937 offiziell in Betrieb genommen wurde, und sich an den einzigen deutschen Städten mit S-Bahnstrecken orientierte: Berlin und Hamburg. Sie verkehrte zunächst zwischen Zinnowitz, dem Werk West und dem Werk Ost. In den folgenden Jahren wurde das Gleisnetz immer weiter ausgebaut, so dass weitere Bereiche der Werksanlagen mit der Bahn erreicht werden konnten. In der größten Ausbaustufe erreichte das Gleisnetz eine Länge von 106 km. Für den Personentransport wurden anfangs Dampfloks mit Personenwagen und später Akku-Triebwagenzüge eingesetzt. Am 15. April 1943 begann der elektrische Zugbetrieb.

Der Haltepunkt Werk Ost wurde von den Mitarbeitern des Entwicklungswerkes und Bewohnern des Gemeinschaftslagers auf der gegenüberliegenden Straßenseite genutzt. Da sich in unmittelbarer Nähe das KZ-Arbeitslager Karlshagen I befand, endeten hier auch Häftlingstransporte. Dieser Bahnsteig ist heute der einzige in der ursprünglichen Form noch erhaltene, gut zugängliche Haltepunkt auf dem ehemaligen Versuchsgelände. Er besteht aus Betonfertigteilen und ist ca. 180 m lang. Da sich dadurch Zugtür und Bahnsteigkante auf gleichem Niveau befanden, war ein bequemes Ein- und Aussteigen möglich. Zum Einsatz kamen Elektro-Züge der Baureihe ET167, eine modifizierte Ausführung der Berliner S-Bahnzüge mit Oberleitungsbügel. Ein Originalzug der Werkbahn ist heute im Historisch-Technischen Museum ausgestellt.

Station 7 - Die Hauptwache

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Am Eingang zum Gelände der Heeresversuchsanstalt Peenemünde Ost und zur Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde West befand sich die Hauptwache. Sie bestand aus dem Wachgebäude mit den Räumen für das Wachpersonal und einer Poststelle. In der ersten Etage des Gebäudes befand sich eine Wohnung, in welcher der Leiter der Nachrichtenzentrale mit seiner Familie wohnte. Weiterhin gehörte zu diesem Komplex ein Garagenbereich. Die Hauptwache war ein Kontrollpunkt für den Straßenverkehr. Auf Grund der hohen Sicherheitsbestimmungen konnten die einzelnen Sperrbereiche nur mit entsprechenden Berechtigungen betreten werden. Dazu besaßen die Mitarbeiter der Versuchsanstalten Sonderausweise und Plaketten in verschiedenen Formen und Farben. Diese Plaketten waren sichtbar an der Bekleidung zu tragen. Im Zuge der Erweiterung der Versuchsansalten nahm die Bedeutung der Hauptwache ab, da nun in den einzelnen Bereichen jeweils eigene Wachen eingerichtet wurden. Nach Kriegsende wurde die Hauptwache durch Demontagetrupps bis auf die heute noch vorhandenen Reste beseitigt.

Im Rahmen internationaler Sommercamps im Juli 2000 und im August 2007 wurden in Zusammenarbeit mit dem Verein “Norddeutsche Jugend im Internationalen Gemeinschaftsdienst” und dem damaligen Historisch-Technischen Informationszentrum Peenemünde die Fundamente der ehemaligen Hauptwache und ein Teil der Straßenführung freigelegt. Jugendliche aus Polen, Frankreich, Algerien, Russland, Japan, der Schweiz, Serbien, der Türkei und Deutschland haben im Rahmen dieser Camps Geschichte wieder sichtbar gemacht. Seit 2013 wird dieses Bodendenkmal dauerhaft durch Schüler/innen der Arbeitsgruppe “Regionalgeschichte” der Heinrich-Heine-Schule Karlshagen gepflegt. Das Projekt “Schülerpatenschaft für ein Bodendenkmal” ist eine Kooperation zwischen der Schule und dem Historisch-Technischen Museum Peenemünde. In den nächsten Jahren sind weiterführende Maßnahmen an der Hauptwache geplant.

Station 8 - Das Fernheizungssystem

Mit der Inbetriebnahme des Kohlekraftwerkes erfolgte von dort neben der Stromerzeugung auch die Wärmeversorgung für große Bereiche der Peenemünder Versuchsanstalten. Es wurden z.B. die großen Werkhallen im Versuchsserienwerk, die Baracken des Lagers des Versuchskommandos Nord Karlshagen und einige Gebäude der Wohnsiedlung beheizt. Über ein weit verzweigtes System mit Fernleitungsrohren, die teilweise ober- bzw. unterirdisch verlegt wurden, erfolgte die Versorgung der Gebäude mit 132°C heißem Dampf. Vom Kraftwerk aus verliefen zwei Leitungen parallel zum S-Bahngleis bis zu einem Verteilergebäude. Von hieraus verzweigte sich das Leitungsnetz in die einzelnen Versorgungsabschnitte.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Fernheizungsnetz durch die sowjetische Besatzungsmacht demontiert. Das Kraftwerk Peenemünde erzeugte dann bis 1990 nur noch Elektroenergie. Heute befindet sich im Kraftwerk, dem größten Industriedenkmal des Landes Mecklenburg-Vorpommern, das Historisch-Technische Museum Peenemünde.

Sation 9 - Die Verladerampen

Für das sogenannte Versuchserienwerk in Peenemünde sollte ursprünglich eine Materiallagerhalle mit einer Grundfläche von 180 m x 95 m und einer Höhe von 18 m errichtet werden. Entworfen wurde sie von der Baugruppe Schlempp, jedoch aufgrund der Materialknappheit nie vollständig ausgeführt. Lediglich die Bodenplatte und der Gleisanschluss wurden fertiggestellt. Die riesige Halle war vorgesehen, um Materialien einzulagern, die zur serienmäßigen Fertigung der A4-Rakete benötigt wurden.

Nach dem ersten Luftangriff auf Peenemünde im August 1943 und der anschließenden Verlagerung der Serienproduktion in die unterirdische Produktionsstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen wurde auch der weitere Ausbau der Materiallagerhalle gestoppt. Die Anlage wurde jedoch im unfertigen Zustand als Bauhof genutzt, von dem aus die Baustellen der Peenemünder Versuchsanstalten mit den benötigten Baumaterialien versorgt wurden. Heute ist die Bodenplatte des Baus im Gelände noch gut erkennbar, ebenso der Gleisanschluss der Halle, die Verladerampe und die Treppenanlage.

Das Versuchsserienwerk umfasste eine Vielzahl weiterer Gebäude. Es diente dazu, Erfahrungen mit der Serienproduktion der Rakete A4(„V2“) zu sammeln. Diese Erfahrungen sollten später in der großindustriellen Serienfertigung Anwendung finden, die außer in Peenemünde auch in anderen Werken in Deutschland und Österreich geplant war. Der ursprüngliche, im Oktober 1939 durch die Firma Dywidag vorgelegte Plan umfasste für Peenemünde nicht weniger als drei Fertigungshallen mit gewaltigen Dimensionen sowie eine große Instandsetzungswerkstatt und 3 große Abnahmeprüfstände. Innerhalb der Heeresversuchsanstalt stellt das Versuchsserienwerk den baulich monumentalsten Bereich dar.

Die Fertigungshallen, von denen letztendlich nur eine Halle fertiggestellt worden ist, sollten dem modernsten Stand der Technik entsprechen. Daher orientierte man sich bereits im September 1939 an dem Bauvorhaben für das Volkswagenwerk und wählte für die Fertigungshalle F1 in Peenemünde eine vergleichbare Konstruktion mit moderner Shed-Dach-Konstruktion. Den Bau übernahm die Firma Dywidag, die bereits den Bau des Volkswagenwerks in Wolfsburg durchführte und die schon früher für das Heereswaffenamt – u. a. auch in Kummersdorf – tätig gewesen war. Fertig gestellt wurde die Halle F1 im Mai 1943, und am 17. Juni 1943 erreichten die ersten KZ-Häftlinge den Standort. Untergebracht wurden sie im Sockelgeschoss der Halle. Im Juli 1943 lief dann unter Einsatz besagter Häftlinge die serienmäßige Produktion der A4-Rakete an, bis der Bombenangriff vom 17./18. August 1943 die Arbeiten zunächst beendete. Insbesondere in der Fertigungshalle F1 liefen die Ergebnisse der Entwicklung an der A4-Rakete zusammen. Nachdem die ersten Raketen geradezu in Handarbeit hergestellt worden waren, wurden hier die Grundlagen für die Serienfertigung erarbeitet und so auch die Voraussetzungen für andere Werke bzw. die Produktion z.B. in Mittelbau-Dora geschaffen.

Station 10 - Die Wohnsiedlung

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Mit Aufbau der Heeresversuchsanstalt Peenemünde Ost und der Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde West ergab sich auch die Notwendigkeit für das Stammpersonal entsprechenden Wohnraum zu schaffen. Im Jahr 1936 begann die Errichtung einer modernen Wohnsiedlung für 400 Arbeiter und Angestellte. Die ersten Wohnungen konnten im Sommer 1937 bezogen werden. Es wurde eine Siedlung mit entsprechender Infrastruktur wie Kaufhaus, Schule und Gaststätten errichtet. In den Jahren 1938/39 begannen die Planungen für eine Erweiterung der Siedlung, da der Personalbedarf weiter stieg. In diese Siedlungserweiterung wurde die ehemalige Strandkolonie Karlshagen einbezogen.

Bis zum britischen Luftangriff im August 1943 wurden in der Siedlung ca. 2.500 Wohnungen für rund 5.000 Einwohner gebaut. Drei Viertel der Häuser wurden bei dem Luftangriff zerstört. Ein Straßenzug ist indessen weitgehend intakt geblieben und veranschaulicht die Formen und Bauweisen der zumeist verschwundenen Siedlung. Von den zerstörten Bereichen der Siedlung sind teilweise noch die Strukturen der Gärten in dem heutigen Waldgebiet erkennbar.

Station 11 - Luftschutzbauten

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Schon bei Errichtung der Peenemünder Versuchsanstalten ab 1936 hatte man die Luftgefährdung in einem zukünftigen Krieg erkannt, trotzdem spielte der Luftschutz vor dem Krieg nur eine untergeordnete Rolle. So gab es bis 1943 im Werk Ost vier Luftschutzbunker, in denen aber nur die Personen Zuflucht finden konnten, die im Werk arbeiteten und wohnten. Im Werk West gab es für das gesamte Personal nur acht Luftschutzräume. Zusätzlich wurden an vielen verschiedenen Stellen einfache Luftschutzräume unterschiedlicher Typen aus Betonröhren ohne Stahlbewährung hergestellt. Bedingt durch den hohen Grundwasserspiegel konnten diese Splitterschutzbauten nicht unterirdisch angelegt werden.

Die Röhren hatten eine Länge von bis zu 10 m und einen Durchmesser von etwa 1,50 m. Die Wandstärke betrug 30 cm. Innen war der Luftschutzraum mit einer durchgehenden Holzbank ausgestattet. Diese Röhren besaßen an einer oder an beiden Seiten rechtwinklige Eingänge ohne Türen und waren mit einer dunklen Erdschicht abgedeckt. Allein im Bereich des Arbeiterlagers Karlshagen (dem späteren VKN-Lager) können insgesamt 37 ähnliche Splitterschutzbauten dokumentiert werden.

Station 12 - Der Bahnhof Karlshagen Siedlung

Das Straßen- und Gleisnetz war für den Personen und Güterverkehr innerhalb der Heeresversuchsanstalt von höchster Bedeutung. Mit der Einführung einer Schnellbahn als Werkbahn, die sich im Gesamtaufbau an den einzigen Städten Berlin und Hamburg mit S-Bahnstrecken orientierte, hob sich die Heeresversuchsanstalt Peenemünde deutlich von anderen Industrieanlagen jener Zeit ab. Damit innerhalb des Arbeitsablaufes und Schichtwechsels täglich Tausende von Menschen von ihrem Wohnort zum Arbeitsplatz befördert werden konnten, wurde ein Gleisnetz mit einer Länge von 106 km und Anbindung in viele Bereiche der Heeresversuchsanstalt errichtet.

Der Bahnhof Karlshagen Siedlung war für den Personentransport der größte Bahnhof der Peenemünder Werkbahn. Er besaß drei Bahnsteige, die zum Teil überdacht waren. Diese Bahnsteige konnten durch einen unterirdischen Fußgängertunnel aus der Siedlung oder aus dem Lager Karlshagen (Lager Versuchs-Kommando Nord) erreicht werden. Das nicht erhaltene hölzerne Bahnhofsgebäude befand sich am Rande der Wohnsiedlung. Für die Mitarbeiter der Peenemünder Versuchsanstalten und deren Familienangehörige waren die Fahrten kostenlos. Im Historisch-Technischen Museum Peenemünde erhalten Sie weitere Informationen über die Werkbahn in einer Ausstellung, die sich in einem ehemaligen Peenemünder S-Bahnzug befindet.

Station 13 - Das Ehrenmal und der Friedhof Karlshagen

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An der Südseite des Friedhofes in Peenemünde wurde Mitte der 1960er Jahre ein Massengrab mit 56 Toten entdeckt. Es handelte sich dabei um KZ-Häftlinge aus dem KZ-Arbeitslager Karlshagen I. Die feierliche Umbettung der Toten auf den Friedhof Karlshagen erfolgte am 30. Mai 1968. Neben der Grabstelle wurde hier das Ehrenmal für die Zwangsarbeiter und die Opfer des Nationalsozialismus in den Peenemünder Versuchsanstalten errichtet. Der Maler Klaus Rößler schuf das Ehrenmal in Form eines dreiteiligen Mosaiks, das die Leiden, die Solidarität und den Widerstandskampf der KZ-Häftlinge in den Peenemünder Versuchsanstalten darstellt. Die Einweihung des Ehrenmals erfolgte am 8. Mai 1970 als „Mahn- und Gedenkstätte Peenemünde – Karlshagen“. Zur DDR-Zeit wurde das Ehrenmal für die politische Arbeit vielfältig genutzt. In den Jahren 1994/95 kam es zu einer Umgestaltung der Gedenkstätte. Der Platz vor dem Ehrenmal wurde verkleinert und auf der rechten Seite brachte man eine Tafel an, die an die Opfer des Zweiten Weltkrieges in Karlshagen und Trassenheide erinnert.

Auf dem Friedhof Karlshagen wurden auch nach dem ersten Luftangriff auf Peenemünde im August 1943 die Todesopfer aus der Siedlung Karlshagen beigesetzt. Bis Ende der 1950er-Jahre war dieser Bereich des Friedhofs sich selbst über lassen und viele der ursprünglich auf den Gräbern aufgestellten Holzkreuze sind in der Nachkriegszeit verloren gegangen. Der heutige Zustand der Grabanlagen mit kleinen, dunklen Steinplatten und den großen Gedenksteinen stammt aus den darauffolgenden Jahren.

Station 14 - Das Gemeinschaftslager Trassenheide

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Das Gemeinschaftslager Trassenheide wurde 1941 ursprünglich als Unterkunft für die Facharbeiter des Versuchsserienwerkes errichtet. Genutzt wurde es dann aber für die Unterbringung von Arbeitskräften, die von den verschiedensten Baufirmen zur Errichtung der Peenemünder Versuchsanstalten eingesetzt wurden. Zu diesen Arbeitskräften zählten dabei auch dienstverpflichtete deutsche Arbeiter, Fremdarbeiter aus Italien, den Niederlanden und Tschechien sowie Zwangsarbeiter aus Osteuropa (Polen, Ukraine).  Die Anlage wurde in drei Phasen kontinuierlich erweitert, da die zahllosen Baumaßnahmen in der Heeresversuchsanstalt sowie der angrenzenden Wohnsiedlung für die Wissenschaftler eine stetig wachsende Arbeiterschaft erforderlich machten.

Nach dem letzten Ausbau bestand das Lager aus 40 Unterkunftsbaracken und 18 Funktionsgebäuden (Kantine, Bordell-Baracke etc.) für insgesamt rund 4000 Arbeiter. Die Insassen waren nach Nationalitäten getrennt untergebracht und innerhalb des Lagers unterschieden sich die Unterbringungs- und Lebensbedingungen sowie auch die Überlebenschancen der einzelnen Arbeitergruppen stark. Das Lager ist heute insgesamt nur sehr fragmentarisch erhalten, da es beim ersten großen Luftangriff der Royal Air Force in der Nacht vom 17. zum 18. August 1943 irrtümlicherweise bombardiert wurde. Dabei kamen etwa 300 Menschen ums Leben. Nach dem Bombenangriff wurde das Lager aufgelöst.

Station 15 - Das Klärwerk Karlshagen

Wie alle Infrastrukturanlagen der Peenemünder Versuchanstalten wurde die Trinkwasserversorgung und Schmutzwasserkanalisation sorgfältig geplant. Bei der Errichtung der Gesamtanlage wurde von Anfang an die Abwasserentsorgung über ein dichtes Kanalnetz und örtliche leistungsfähige Sammel-Kläranlagen geachtet. Die Wasser- und Klärwerke sind heute, wenn auch größtenteils ruinös, noch gut in Form und Funktionsabläufen erkennbar. Das Klärwerk in Karlshagen ist für diese Anlagen bis heute beispielgebend, weil es komplett funktionsfähig erhalten ist und heute noch als Reserve- bzw. Havariebecken dient. Es war für die Klärung der Abwässer aus der Wohnsiedlung und den umliegenden Einrichtungen errichtet worden.

Station 16 - Die Bunkeranlagen in den Peenewiesen

Mit der Errichtung der Heeresversuchsanstalt und der geplanten Serienfertigung der Rakete A4 („V2“) wurden geeignete und sichere Lagerungsmöglichkeiten in Peenemünde benötigt. Von ursprünglich zwölf geplanten oberirdischen Raketenlagerbunkern wurden jedoch nur neun in den Peenewiesen errichtet. Die Gebäude wurden zum Teil aus Betonfertigteilen montiert, Betonsegmente in der Mitte der Anlage dienten als Träger für die schalenförmige Dachkonstruktion. Jeder Bunker enthielt jeweils zwei Kammern für auf Eisenbahnwaggons gelagerte Raketen. Diese Lagerbunker stehen jedoch nicht nur im funktionalen Zusammenhang mit den Serienprüfständen und mit den Produktionsanlagen im Versuchsserienwerk Peenemünde, sondern auch mit der Raketenproduktion in Mittelbau-Dora.

Ursprünglich war geplant, nur die in Peenemünde hergestellten und geprüften Raketen bis zur Überführung in ein Arsenal in den Bunkern zwischenzulagern. Da das Peenemünder Versuchsserienwerk jedoch nie im ursprünglich vorgesehenen Maße produzierte, wurden die Bunker auch für die kurzfristige Aufnahme von Raketen aus dem Mittelwerk genutzt, die zur Qualitätsprüfung – wohl auch nicht zuletzt zur Sabotageabwehr – nach Peenemünde gebracht wurden. Im Jahr 1944 wurden zudem kurzzeitig zwei der Bunker für Lagerversuche mit Raketen verwendet, wobei die Auswirkungen einer längerfristigen Lagerung auf die Funktionstüchtigkeit der Rakete im Mittelpunkt standen. Es wurde dabei das unterschiedliche Verhalten des Materials in trockenem als auch in feuchtem Klima untersucht. Die Versuche mussten allerdings nach einigen Wochen abgebrochen werden, da die Bunker für anderweitige Lagerzwecke benötigt wurden. Nach dem Krieg wurden die Bunker in Erfüllung des Potsdamer Abkommens gesprengt. Das Gelände wurde im Rahmen internationaler Sommercamps in den Jahren 2009 bis 2011 wieder begehbar gemacht.

Station 17 - Das Schöpfwerk Piese

Der Nordteil der Insel Usedom, der so genannte Peenemünder Haken, bestand vor 1936 zu großen Teilen aus nassen Wiesen und Sumpflandschaft. Erst ein System von Deichen, Entwässerungsgräben und Pumphäusern sowie eine Aufspülung großer Teile des Geländes machte die Anlage des Gesamtkomplexes der Peenemünder Versuchsanstalten möglich.
Nötig war dabei insbesondere eine Absenkung des Grundwasserspiegels. Ende der 1930er Jahre wurde durch den Reichsarbeitsdienst und durch Spezialfirmen, die hierfür vorrangig ausländische Arbeitskräfte einsetzten, die Trockenlegung der Flächen vorgenommen. In der Piese, einem See, sammelte sich das Wasser aus den Entwässerungsgräben und wurde dann durch ein für seine Zeit äußerst modernes Schöpfwerk ständig in die Peene abgepumpt. Ab September 1939 geplant, wurde es am 10. Juli 1942 in Betrieb genommen. Es war eines von insgesamt drei Schöpfwerken am Deich und erfüllt noch heute seine Aufgabe.

Station 18 - Der Deich

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Der Ort Peenemünde sowie der gesamte Peenemünder Haken hatten immer wieder unter verheerenden Sturmfluten zu leiden, da sich Teile des Areals auf einem Niveau von 1m unter NN befanden. Vom Hafen Karlshagen bis zur Nordspitze der Insel Usedom wurde deshalb im Zuge der Errichtung der Peenemünder Versuchsanstalten ab 1939 ein Deich angelegt. Dieser Deich hatte eine Länge von ca. 4km, eine Höhe von bis zu 4 m und war oben etwa 3 m breit. Im Zuge des Deichbaus wurde dabei der Cämmerer-See von der Peene abgetrennt. Um den Hochwasserschutz auf dem Flugplatzgelände und in der Ortslage Peenemünde weiter zu erhöhen, wurde auf die vorgesehenen Baugebiete und die Flugplatzflächen Sand aus der Peene und dem Bodden aufgespült und das Geländeniveau so um etwa 2 m angehoben. Der Deich bildete an der Peene gleichzeitig die Grenze des Versuchsgeländes. Heute ist er eines der wenigen Elemente der Heeresversuchsanstalt, das noch immer im ursprünglichen Sinne erhalten ist und weiterhin seiner originären Funktion nachkommt.

Station 19 - Der Messturm auf der Insel Ruden

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Die kleinen Insel Ruden in der Flussmündung der Peene wurde bis 1945 hauptsächlich durch die Luftwaffenerprobungsstelle Peenemünde-West als Messbasis genutzt. Dazu wurde in der Anfangsphase zunächst ein hölzerner 30m hoher Turm errichtet, welcher der Beobachtung und der Vermessung aus Peenemünde startender Flugobjekte diente. Im Jahr 1943 wurde an gleicher Stelle ein fünfgeschossiger Turm aus einer Eisenbetonkonstruktion mit einer Klinker-Blendfassade errichtet, der noch heute erhalten ist. Auf der Beobachtungsplattform wurden Kinotheodolithen installiert, die den Flugverlauf filmten und so wichtige Werte zur Flugbahnberechnung lieferten. Ab 1943 baute man die Insel als befestigte Flugabwehrstellung aus, weil sie direkt in der bevorzugten Einflugschneise alliierter Bomberverbände lag und damit von besonderer taktischer Bedeutung war. In der Nachkriegszeit und nach dem Abzug der sowjetischen Besatzungstruppen wurde auf der Insel eine Kaserne für Grenzsicherungs-Einheiten der NVA Volksmarine erbaut. Der Ruden befindet sich im Naturschutzgebiet „Naturschutzgebiet Peenemünder Haken, Struck und Ruden“ und ist per Fähre vom Haupthafen Peenemünde zu erreichen.

Station 21 - Kriegsgefangenenlager Wolgast-Tannenkamp

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In Wolgast befand sich an der heutigen Karriner Strasse von Januar 1943 bis zum September 1944 das „Arbeitslager 2-С, Arbeitskommando Wolgast“. Das Lager für ca. 300 – 400 Kriegsgefangene unterstand dem Stammlager STALAG II/C Greifswald. Es hatte eine Fläche von ca. 150 m x 200 m und war umgeben von einem doppelten Zaun aus Stacheldraht mit zwei Wachtürmen. Neben den Wohnbaracken und einer Krankenstation umfasste das Lager auch eine Tischler- und Schlosserwerkstatt, einen Zeichensaal, eine Graphitwerkstatt und eine elektrotechnische Werkstatt. Hier waren vorwiegend sowjetische Kriegsgefangene untergebracht, die technische Zeichnungen für die Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf der Insel Usedom anfertigten. Außerdem wurden hier Graphit-Strahlruder für die dort entwickelte Rakete A4 / „V2“ angefertigt.

Station 22 - Startrampe der Fi 103 / „V1" in Zempin

Die Fi 103 war der erste jemals eingesetzte Marschflugkörper – ein unbemanntes Flugzeug zum Transport von fast einer Tonne Sprengstoff. In Zempin wurde im Juli 1943 zur Vorbereitung des Kriegseinsatzes das Flak-Regiment 155 (W) aufgestellt. Aus drei Stellungen im Küstenwald wurden hier die Flugbomben und Startrampen von Soldaten unter Einsatzbedingungen erprobt und die Bedienungsmannschaften ausgebildet. Eine Stellung bestand jeweils aus einer Startrampe sowie einem Richthaus und einigen Nebengebäuden.

Am Fahrradweg zwischen Zinnowitz und Zempin finden sich noch heute Spuren der Feldstellung II, für die ein 6 m hoher künstlicher Hügel aufgeschüttet und in der vorgelagerten Düne ein Einschnitt gegraben wurde. Die Fi 103 wurde von hier parallel zur pommerschen Küste in Richtung Danziger Bucht geschossen und die Flugbahn von Beobachtungsstationen entlang der Küste vermessen.

Ab Juni 1944 kam die Fi 103, nun für die NS-Propaganda als „Vergeltungswaffe 1“ bezeichnet, gegen Großstädte in Westeuropa zum Einsatz. Die Serienproduktion erfolgte unter anderem durch Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in den VW-Werken Wolfsburg und in unterirdischen Stollen bei Nordhausen im Harz. Insgesamt kamen im Zweiten Weltkrieg rund 22.000 Fi 103 zum Einsatz.

Ein Nachbau einer Fi 103 und eine originale Startrampe (Walter-Schlitzrohr-Schleuder) sind im Historisch-Technischen Museum Peenemünde zu besichtigen.

Station 23 - Schloss Pudagla / „Karlshagen III“

In den Peenemünder Versuchsanstalten entwickelte Helmut Hoelzer mit dem sogenannten „Mischgerät“ den ersten autonomen Bordrechner zur Steuerung eines Flugkörpers, sowie einen elektronischen Analogcomputer zur Simulation von Flugbahnen. Nach der Bombardierung Peenemündes durch die Royal Airforce im August 1943 wurde die Abteilung Hoelzers unter der Tarnbezeichnung „Karlshagen III“ in das Schloss Pudagla verlagert. Der Analogrechner befand sich bis Anfang 1945 im dortigen Schlosskeller. Hoelzer selbst wurde im Forsthaus Neu Pudagla einquartiert. Der Analogrechner wurde 1946 in die USA gebracht. Auch Hoelzer siedelte nach Kriegsende in die USA um und unterstützte die Raketenforschung Wernher von Brauns in Fort Bliss und White Sands. Er wurde 1960 „Director of Computing” am Marshall Space Flight Center in Huntsville (Alabama).

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