Umbetten der Toten aus dem Massengrab am Friedhof Peenemünde in die Mahn- und Gedenkstätte Peenemünde-Karlshagen am 30.Mai 1968 durch Angehörige der Kampfgruppen und der 1. Flottille der NVA. Foto: Harald Börner (HTM Peenemünde, Archiv)
Umbetten der Toten aus dem Massengrab am Friedhof Peenemünde in die Mahn- und Gedenkstätte Peenemünde-Karlshagen am 30.Mai 1968 durch Angehörige der Kampfgruppen und der 1. Flottille der NVA. Foto: Harald Börner (HTM Peenemünde, Archiv)

Die Mahn- und Gedenkstätte Karlshagen erinnert bis heute an die vielen Opfer der Entwicklung und Produktion von Waffensystemen zwischen 1936 und 1945. Unter den Todesopfern waren mindestens 232 KZ-Häftlinge, 197 ausländische Zwangsarbeiter und elf sowjetische Kriegsgefangenen, die bei einem alliierten Bombenangriff uns Leben kamen.

Ab 1936 arbeitete eine große Zahl von Ausländern in Peenemünde, spätestens nach Kriegsbeginn die wenigsten von ihnen freiwillig. Die Bedingungen ihrer Unterbringung verschlechterten sich kontinuierlich. Im Vergleich zu deutschen Arbeitern waren die Rechte der ausländischen Zwangsarbeiter kaum geschützt. Die Polen wurden im Zuge des Polenerlasses systematisch diskriminiert, und die Mindeststandards für Kriegsgefangenschaft wurden zunehmend ignoriert. Die weiblichen Häftlinge im Lager erfuhren oft sexuelle Belästigung, Vergewaltigungen oder sexuelle Ausbeutung.

Wegen des immer größeren Arbeitskräftemangels und der Angst vor Geheimnisverrat durch ausländische Arbeiter wurden 1943 zwei KZ-Außenlager mit jeweils einigen hundert Insassen errichtet, eines in der Luftwaffenerprobungsstelle und eines in der Heeresversuchsanstalt. Für die Luftwaffe mussten die Häftlinge einfache, aber harte Hilfsarbeiten verrichten. Im Raketenprojekt des Heeres war der Einsatz in der Raketenmontage vorgesehen. Die Häftlinge arbeiteten in der Fertigungshalle 1 und waren im Sockelgeschoss des Gebäudes untergebracht.

Entwurfszeichnung der Fertigungshalle F1 durch die Baugruppe Schlempp aus dem Jahr 1939. (HTM Peenemünde, Archiv)
Entwurfszeichnung der Fertigungshalle F1 durch die Baugruppe Schlempp aus dem Jahr 1939. (HTM Peenemünde, Archiv)
Polnischer Häftling Leon Dropek, 1974. (HTM Peenemünde, Archiv)
Polnischer Häftling Leon Dropek, 1974. (HTM Peenemünde, Archiv)

Obgleich die Bedingungen im KZ-Außenlager Karlshagen II besser waren als in anderen Arbeitslagern, hatten sowohl Häftlinge als auch Zwangsarbeiter alles andere als ein gutes Leben. Die Essensrationen waren für eine Sechstage-Woche bei täglich elf Stunden Arbeit nicht ausreichend. Schlafen mussten die Häftlinge in Gruppenräumen für 100 bis 150 Männer mit dreistöckigen Betten. Der Gewalt von SS-Personal und Funktionshäftlingen waren sie schutzlos ausgeliefert. Der Luftangriff sorgte allgemein für Chaos in Peenemünde und traf die Häftlinge besonders hart. Sie erhielten nur noch unregelmäßig Mahlzeiten und mussten besonders harte Aufräumarbeiten leisten.

Eine Gruppe während ihrer Haftzeit Getöteter, wahrscheinlich aus dem Lager der Luftwaffe, wurde neben dem Peenemünder Friedhof in einem Massengrab verscharrt. Sie wurden 1968 exhumiert und am Rand des Friedhofs von Karlshagen beigesetzt. Ihnen zu Ehren wurde die Mahn- und Gedenkstätte Peenemünde errichtet. Während der DDR-Zeit war dies der zentrale Ort des antifaschistischen Erinnerns an die Versuchsanstalten. Heute ist die Stätte ein Teil der Denkmal-Landschaft Peenemünde.

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