Blick auf das Gelände Richtung Peenestrom vor Baubeginn im Januar 1940. In der Mitte noch vereister und überschwemmter Boden. Foto: Bauleiter Josef Greiner, Peenemünde, 1940 (HTM Peenemünde, Archiv)
Blick auf das Gelände Richtung Peenestrom vor Baubeginn im Januar 1940. In der Mitte noch vereister und überschwemmter Boden. Foto: Bauleiter Josef Greiner, Peenemünde, 1940 (HTM Peenemünde, Archiv)

Das Kohlekraftwerk in Peenemünde wurde zwischen 1939 und 1942 erbaut. Weil es im Gegensatz zu allen anderen Werkanlagen Peenemündes nach dem Krieg nicht gesprengt wurde, konnte es in der DDR weitergenutzt werden und erzeugte bis 1990 elektrische Energie. Das einzige erhaltene Gebäude der ehemaligen Versuchsanstalten ist mit 90 Metern Länge und 34 Metern Höhe das größte Industriedenkmal in Mecklenburg-Vorpommern. Seit dem Jahr 2000 beherbergt es mit seinen Nebengebäuden die Dauerausstellung des Historisch-Technischen Museums.

Das Kraftwerk diente einst als eine wichtige Infrastruktur in der anlaufenden Serienfertigung der Raketen – vor allem, um den hohen Energiebedarf für die Produktion von flüssigem Sauerstoff als Treibstoffkomponente zu decken.

Mit dem Bau und der technischen Ausstattung wurde die Siemens-Schuckert AG beauftragt. Zum Schutz vor Überschwemmungen wurde der Untergrund mit fast drei Metern Sand aufgespült, und zur statischen Sicherung des Gebäudes wurden über 2.000 Stahlbetonpfähle in den Boden gerammt. Verbaut wurden über 5.000 Tonnen Eisen, über 2,5 Millionen Steine und 90.000 Kubikmeter Kies. Dass die Fassade mit Backstein verklinkert wurde, war aus funktioneller Sicht nicht nötig, sondern sollte die wuchtige Wirkung des Gebäudes unterstreichen und den Eindruck einer ‚Kathedrale der Moderne‘ vermitteln.

Das Kraftwerk ging im November 1942 in Betrieb. Verfeuert wurde Kohle, die per Schiff ankam, per Kran entladen wurde und nach einer Zerkleinerung im Brecherhaus über ein Förderband zu den Kesseln transportiert wurde.

Bau des Bunkerfundaments. Der Boden ist bereits betoniert und im Hintergrund kann man die Ramme  für die Pfähle erkennen. Foto: Baustellenleiter Josef Greiner, Peenemünde, 1940 (HTM Peenemünde, Archiv)
Bau des Bunkerfundaments. Der Boden ist bereits betoniert und im Hintergrund kann man die Ramme für die Pfähle erkennen. Foto: Baustellenleiter Josef Greiner, Peenemünde, 1940 (HTM Peenemünde, Archiv)
Es wurden über 2.000 Stahlbetonpfähle mit einer Länge von bis zu 15 Metern in den Boden gerammt. Dies sorgte für die Stabilität des Kraftwerkes. Die abgebildete Stelle wurde auch als „Pfahlfriedhof“ bezeichnet. Foto: Bauleiter Josef Greiner, Peenemünde, 1940 (HTM Peenemünde, Archiv)
Es wurden über 2.000 Stahlbetonpfähle mit einer Länge von bis zu 15 Metern in den Boden gerammt. Dies sorgte für die Stabilität des Kraftwerkes. Die abgebildete Stelle wurde auch als „Pfahlfriedhof“ bezeichnet. Foto: Bauleiter Josef Greiner, Peenemünde, 1940 (HTM Peenemünde, Archiv)

Das Kraftwerk brachte eine Leistung von 30 Megawatt, die in zwei Turbogeneratoren erzeugt wurde. Doch es versorgte die Versuchsanstalten nicht nur mit elektrischer Energie, auch Abwärme wurde zum Beheizen von Anlagen mittels eines Fernheizungssystems genutzt. Der ganze Prozess wurde von einer Schaltwarte aus gesteuert, einem separaten Gebäude, von dem später auch ein zweites, allerdings nicht mehr gebautes Kraftwerk hätte gesteuert werden sollen. Die Schaltwarte ist gleichzeitig eine Luftschutzeinrichtung, ein sogenannter Hochbunker mit bis zu zwei Meter dicken Wänden und Decken. Eine präventive Luftschutzmaßnahme war eine Abgasreinigung, so dass nur wenig sichtbarer Rauch über die Schornsteine entwich. Dies sollte die Geheimhaltung der Anlage begünstigen.

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