Das Sauerstoffwerk heute. (HTM Peenemünde, Archiv)
Das Sauerstoffwerk heute. (HTM Peenemünde, Archiv)

Die meisten Anlagen in Peenemünde wurden bei den Bombenangriffen während des Zweiten Weltkrieges zerstört oder nach Kriegsende von der Sowjetarmee gesprengt und demontiert. Heute sind nur noch zwei Großbauten in Peenemünde übriggeblieben, das Kraftwerk und das ruinöse Sauerstoffwerk. Dieses Gebäude ist zum einen wegen seiner Funktion im Raketenprojekt bedeutsam. Den Treibstoff der Rakete A 4, ein Gemisch aus Alkohol und flüssigem Sauerstoff, in ausreichendem Maß zu gewinnen, war eines der größten logistischen Probleme. Deshalb wurde zwischen 1940 und 1943 eine Industrieanlage geplant und erbaut. Die Produktion des Flüssigsauerstoffs durch Abkühlen von Luft war so energieaufwendig, dass sie zwei Drittel der gesamten Kraftwerksleistung von 30 Megawatt absorbierte.

Zum zweiten ist das Sauerstoffwerk auch ein wichtiges architektonisches Beispiel der Industriemoderne. Die verklinkerte Fassade des Stahlbetongebäudes und der dreischiffige Aufriss vermitteln gleichermaßen einen zurückhaltenden Eindruck wie einen fast quasi-sakralen Gestaltungsanspruch, der die enorme Bedeutung der Industrie in der Moderne widerspiegelt.

Während das Kraftwerk nach Kriegsende weiterhin der Stromzeugung diente, wurde das Sauerstoffwerk nur noch kurzzeitig als Depot genutzt und bald darauf gesprengt. Wegen seines massiven Stahlbetonkerns stürzte es allerdings nicht ein und steht bis heute, wenn auch akut baufällig. Der verwahrloste Zustand und die hohen Kosten für den Erhalt und die Sanierung einerseits und der Denkmalwert andererseits haben eine anhaltende Diskussion um den weiteren Umgang mit der Ruine entfacht. Die Vorschläge liegen zwischen Abriss und Sicherung zur musealen Nutzung.

Verladezone des Sauerstoffwerks. (HTM Peenemünde, Archiv)
Verladezone des Sauerstoffwerks. (HTM Peenemünde, Archiv)
Fliese aus dem Sauerstoffwerk Peenemünde. Foto: Xiaoxu Zhang 2018 (HTM Peenemünde, Archiv)
Fliese aus dem Sauerstoffwerk Peenemünde. Foto: Xiaoxu Zhang 2018 (HTM Peenemünde, Archiv)

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